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Bandi - Ki-Hyang Lee (Übersetzer)

Denunziation: Erzählungen aus Nordkorea

Mit einem Vorwort von Thomas Reichart

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Art.Nr./ISBN: 9783492058223

Verlag: Piper

Jahr: 2017

Einband: gebunden

Seitenzahl: 224

Sprache: deutsch

Medientyp: Buch

 

Lieferzeit 7-10 Werktage

20,00 € *
 
 
 
 
 

Produktinformationen "Denunziation: Erzählungen aus Nordkorea"

Bandi ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus Nordkorea. Sein Buch ist die Sammlung von sieben Geschichten, die in den Neunzigerjahren geschrieben wurden und erst jetzt unter riskanten Umständen aus dem Land gelangt sind. In schlichter Poesie und mit feinem Sinn für Humor erzählt der Autor von einem Leben, das vom totalitären Regime durchdrungen ist. Da ist der junge Bauer, dem die nötige Reisegenehmigung fehlt, um seine sterbende Mutter in einer nahen Provinz zu besuchen. Und die Ehe eines jungen Ingenieurs zerbricht an den vererblichen Hierarchien. Der Autor der Geschichten klagt an, macht keinen Hehl aus seiner Wut auf das Regime. »Denunziation« ist ein einzigartiger Blick in ein abgeschottetes Land und ein so mutiges wie beeindruckendes Stück Literatur.

 

Leseprobe

Die Stadt der Gespenster

Am Abend vor dem Nationalfeiertag herrschte in Pjöngjang hektische Betriebsamkeit. Das war nicht weiter verwunderlich, da nur noch wenige Stunden für den Abschluss der Vorbereitungen blieben, die schon vor drei Monaten begonnen hatten.

Als die U-Bahn an der Station Pungnyeon anhielt, war es Han Kyeong-Hui schließlich gelungen, sich einen Sitzplatz zu erkämpfen, indem sie sich unter Zuhilfenahme der Ellbogen zwischen zwei Mitreisende quetschte. Die U-Bahn war genauso bevölkert wie die Straßen. An jeder Station stieg eine Flut von Leuten ein und aus: Soldaten, Studenten, Teams aus jungen Arbeitern, die die Arme voll mit Dingen für die Parade hatten, Anwohner mit Blumensträußen, Schüler in Uniform, mit Schlagstöcken bewaffnete junge Pioniere. So wie sie alle angezogen und ausstaffiert waren, bestand kein Zweifel daran, dass sie vorhatten, an der Parade teilzunehmen, die aus mehr als einer Million Mitwirkender bestehen sollte.

Während Kyeong-Hui versuchte, durch leichtes Hin- und Herrutschen ihres Körpers gegen den Druck von beiden Seiten den sekündlich weniger werdenden Platz zu behaupten, ließ sie ihren Sohn nicht aus den Augen. Sie hielt den schmalen zweijährigen Jungen zusammen mit ihrer Aktentasche fest umklammert. Er schmiegte sich an ihre Brust, als wäre er festgewachsen. Eine Wange gegen die gut gepolsterte Brust seiner Mutter gepresst, blickte er unruhig, fast panikartig um sich. Als sich der Zug wieder in Bewegung setzte, mischte sich etwas frische Luft in die stickige Hitze im Abteil, und Kyeong-Hui konnte endlich etwas freier atmen. In ihrem Kopf hörte sie noch einmal die durchdringende Stimme der Kindergärtnerin. Die Leute waren der Meinung, sie beide könnten Schwestern sein: Sie sähen sich auffallend ähnlich und hätten die gleiche hitzköpfige Art. Als Kyeong-Hui vorhin ihren Sohn abgeholt hatte, da hatte die Betreuerin vor den anderen Eltern lautstark verkündet: »Genossin Geschäftsführerin, du hast nicht zufällig deinem Sohn die Geschichte von Eobi erzählt? Du weißt schon, diese schreckliche Bestie, die ungehorsame Kinder in eine Ledertasche steckt und dann in einen Brunnen wirft? Ich frage dich deswegen, weil dein Sohn heute wieder schweißgebadet aus dem Mittagsschlaf hochgeschreckt ist und ›Eobi, Eobi‹ geschrien hat. Dabei hat er am ganzen Körper gezuckt. Es ist schon erstaunlich, dass du mit deinem robusten Körper einen so zartbesaiteten Jungen hervorgebracht hast!«

Über den Autor

„Bandi“, geboren 1950, ist ein von der nordkoreanischen Regierung anerkannter Schriftsteller und Mitglied des Zentralkomitees der Chosun Schriftsteller-Vereinigung. Nachdem er Zeuge der Ereignisse um den „beschwerlichen Marsch“ wurde, der Hungersnot, die vom Ende der Achtziger Jahre bis in die Neunziger Jahre herrschte, wurde Bandi ein entschiedener Gegner des nordkoreanischen Regimes, das er für massenhaften Hungertod und menschliches Leid verantwortlich macht. In seinem Werk hält er das Leid einfacher Nordkoreaner fest, die niemanden haben, mit dem sie ihre Sorgen teilen können.

 

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