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Ko Un

Zen-Gedichte, was'n das?

Aus dem Koreanischen von Dr. Hans-Jürgen Zaborowski.

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Art.Nr./ISBN: 9783936018370

Verlag: Angkor

Jahr: 2005

Einband: gebunden

Seitenzahl: 116

Sprache: deutsch

Medientyp: Buch

 

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Produktinformationen "Zen-Gedichte, was'n das?"

Vorwort von Matthias Göritz

Liest man klassische Zen-Gedichte, z. B. die des Zen-Meisters Ryokan (1758-1831), dann ist man als westlicher, nicht mit dem Buddhismus vertrauter Leser, häufig überrascht von der völlig unrhetorischen – und oft humorigen – Art, der fast kunstlosen Direktheit, mit der hier Erfahrungen mitgeteilt werden.

„Wer sagt, meine Gedichte seien Gedichte? / Meine Gedichte sind nichts Erdichtetes. / Wenn Du wirklich verstehst, / daß meine Gedichte keine Gedichte sind, / dann können wir / gemeinsam / die wunschlose Freude / am Leben und der Natur teilen.“ (Ryokan)

Zen-Gedichte entwerfen keine beschreibenden Bilder, sie lassen an Zuständen teilhaben, die der Zen-Meister durch Versenkung erreicht hat. Hinter jedem Etwas, jedem Gegenstand der Empirie, gibt es noch ein anderes, Nicht-Etwas, jene Buddha-Natur in allem, die als Begegnung mit dem reinen Sein erfahren wird. Erklärende Worte verlieren ihre Gültigkeit. Insofern gleichen sich Gedicht und Zen-Übung: Man muß sich ihnen ganz überlassen, sein Ich abgeben, um offen zu sein für eine tiefere, befreiende Erfahrung.

Ko Un wurde 1933 in einem Dorf geboren, das heute Teil der Stadt Kunsan in der Provinz von Nord-Cholla im Südwesten Koreas ist. Er fiel bereits als achtjähriger Schüler auf, weil er klassische chinesische Literatur meisterte, die selbst für viele der Älteren unverständlich blieb. Schon früh zeigte sich auch sein Widerstandsgeist. Seinen japanischen Direktor – Korea war 1910 von Japan gewaltsam annektiert worden – brachte er zur Weißglut, indem er ihm auf die Frage, was er werden wolle, entgegnete: „Kaiser von Japan!“

Inmitten der Schrecken des Koreakrieges wandte sich Ko Un dem Buddhismus zu. 1952 wurde er Mönch und praktizierte Son, das koreanische Äquivalent zum japanischen Zen, ein Wort, das zunächst einfach Meditation bedeutet. Als Schüler des großen Mönchs Hyobong bereiste er die koreanische Halbinsel, er stieg rasch im Rang auf, und ihm wurden wichtige Posten anvertraut. Nach zehn Jahren als Mönch, auch desillusioniert durch den Formalismus und die Korruption der buddhistischen Hierarchie, schied er aus. Wichtiger für seine Entscheidung, sich wieder der Welt zuzuwenden, scheint jedoch der Konflikt zwischen dem Dichter Ko Un und dem Mönch gewesen zu sein. Als Lehrer in einer Wohlfahrtsschule auf der Insel Cheju im Süden publizierte er weitere Gedichtbände – der erste war noch während seiner Zeit als Mönch erschienen – und kehrte dann 1967 in die Großstadt Seoul zurück, wo düstere Jahre der Trunksucht in einem Selbstmordversuch gipfelten.

In gewisser Weise rettete das politische Engagement gegen das diktatorische Park-Regime Ko Un. Im Laufe der 70er Jahre wurde er als Sprecher der Künstler und Schriftsteller einer der prominentesten Aktivisten für demokratische Reformen. Verfolgt von der Geheimpolizei, immer wieder eingesperrt und nach der Machtergreifung Generals Chon Doo-hwans im Mai 1980 von einem Militärgericht sogar kurzzeitig zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt, hörte Ko Un nicht auf zu schreiben. Neben den Gedichtbänden und Künstlerbiographien finden sich auch Übersetzungen ausgewählter chinesischer Dichter der T’ang Zeit: Damals, vor 1500 Jahren entstand Zen-Dichtung in der Auseinandersetzung des von Bodhidarma aus Indien eingeführten Buddhismus mit den in Kunst und Poesie vorherrschenden Prinzipien des Taoismus. Ko Un überstand die Gefängnisjahre durch buddhistische Meditation gestärkt; sie veranlaßten ihn, den epischen Zyklus, Maninbo (Zehntausend Leben) zu beginnen, in dem er die Personen poetisch reflektierte, die ihm in seinem Leben begegneten. Ko Un ist mit zahlreichen Gedichtbänden, Essays, einer Autobiographie, Romanen und Biographien heute wohl der bedeutendste lebende koreanische Autor. Seine Gedichte sind in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Als Ko Un 1997 anläßlich der Publikation einer Auswahl seiner Zen-Gedichte zum ersten Mal in die USA reiste, begrüßten ihn vier der größten Dichter der Westküste, die Beat Poeten Allan Ginsberg, Gary Snyder, Michael McClure sowie der ebenfalls stark vom Zen-Geist geprägte Robert Hass, wie einen lange vermißten Bruder. Ginsberg schrieb: „Ko Un ist ein großartiger Dichter, eine Mischung aus buddhistischem Weisen, leidenschaftlichem politischen Literaten und Naturhistoriker. Das kleine Buch mit Zen-Gedichten gibt uns einen Einblick in die ernsthaft heitere Disziplin, die hinter der üppigen Vielfalt seiner Themen und Formen steckt.“ [...]

Auszüge

Rindfleisch

Was wird denn wohl aus alledem

diesmal

mußt du äußerst traurig sein –

mit dem Messer stich endlich zu.

Was wird denn wohl aus alledem

in dem Augenblick, in dem

die Kuh zu Rindfleisch wird.

Bei Tag

Ein trockner Haufen Scheiße, für den sich nicht mal

mehr die Fliegen interessieren.

Ist dies das Paradies? Ach nein.

 

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