Aus dem Koreanischen von Dr. Hans-Jürgen Zaborowski

Märchen aus Korea

M
20,00 € *

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  • Art.Nr./ISBN: 9783936018387
  • Verlag: Angkor
  • Jahr: 2008
  • Einband: Softcover
  • Seitenzahl: 202
  • Sprache: deutsch
  • Medientyp: Buch

Lieferzeit 7-10 Werktage

  Diese Sammlung koreanischer Märchen enthält zu etwa je einem Drittel für... mehr
Produktinformationen "Märchen aus Korea"

 

Diese Sammlung koreanischer Märchen enthält zu etwa je einem Drittel für die Halbinsel eigentümliche Volkserzählungen, Texte mit Parallelen in Asien und solche mit Entsprechungen in den Märchen der Welt. Max Lüthi, der große Schweizer Märchenforscher, lobte in seiner Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung gerade deshalb die Auswahl: "Das Buch ist durchkomponiert wie eine Fuge."

[Textauszug]

Der Furzwettbewerb

In alter Zeit waren von den Leuten, die gut furzen konnten, aus allen acht Provinzen des Landes die aus der Kyongsang-Provinz und die aus der Cholla-Provinz am berühmtesten. Eines Tages nun unternahm einer aus der Cholla-Provinz eine Wettkampfreise bis zur Kyongsang-Provinz, um sich, alles in allem, als bester Furzer aller acht Provinzen zu erweisen.

Den weiten Weg ging er zu Fuß, doch als er dann das Haus des besten Furzers aus der Kyongsang-Provinz aufsuchte, war der Hausherr gerade zum Markt gegangen, also nicht zu Hause.

Wie der aus der Cholla-Provinz sah, war das Haus des besten Furzers aus der Kyongsang-Provinz eine Grashütte, sie hatte ein Strohdach. Sein erster Gedanke war: �Wenn man sagt, daß hier einer ist, der kräftig einen fahren lassen kann, wird er doch nicht in so einem Haus leben! Wenn schon das Haus so schäbig ist, kann auch der Hausherr kein ernst zu nehmender Gegner sein.� Da war er in aller Öffentlichkeit einen so weiten Weg gekommen, und nun hatte sich die ganze Geschichte als so langweilig erwiesen. � Das waren seine Gedanken, so war die Lage. Nur so zur Übung ließ er einen fahren, und da flog das Haus des Furzers aus der Kyongsang-Provinz davon, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Der Furzer aus der Kyongsang-Provinz erledigte auf dem Markt seine Angelegenheiten, und als er am Abend zu seinem Haus zurückkehren wollte, war das Haus spurlos verschwunden. Als er dann aus dem Munde der Dorfbewohner die näheren Umstände erfuhr, wurde er sehr zornig. Um sich zu rächen, nahm der erzürnte Furzer aus der Kyongsang-Provinz den größten und schwersten Steinmörser aus dem Dorf mit sich, legte ihn auf sein Hinterteil, und westwärts, in Richtung auf die Cholla-Provinz, ließ er kräftig einen fahren, und der mordsgroße Steinmörser flog auf, hoch bis zum Himmel, weiter als der Chiri-Berg in die Richtung nach der Cholla-Provinz.

Der Furzer von dort war nun gerade voller Triumph, aus Freude darüber, daß er sich jetzt Meister-Furzer des ganzen Landes nennen konnte. Er war gerade zurückgekommen, wollte sich eine Pfeife anzünden, als ganz überraschend von Osten, aus der Richtung der Kyongsang-Provinz, ein Steinmörser geflogen kam und drohte, genau auf seine Stirn herunterzufallen. Blitzschnell drehte er sich um, ließ in Richtung auf den Osthimmel einen fahren � der Steinmörser, der herangeflogen war, änderte seine Richtung und, auf die Kyongsang-Provinz zu, flog er wieder über den Fuß des Chiri-Berges zurück.

Der aus der Kyongsang-Provinz glaubte, der andere Kerl sei endlich von dem Steinmörser erschlagen, und als er in großer Freude solche Gedanken hatte � da sah er, daß aus dem Westhimmel irgendwas auf ihn zugeflogen kam. Und als er sich das dann genau betrachtete, da war das der Steinmörser, den er selbst weggeschossen hatte, der nun zurückgeflogen kam. Voller Zorn wandte er sich um, ließ wieder einen fahren. Somit flog der Steinmörser wieder am Chiri-Berg vorbei und zur Cholla-Provinz zurück. So trieben sie es, und der Steinmörser flog, von der Kraft eines Furzes getrieben, viele Male über den Chiri-Berg zwischen der Cholla- und der Kyongsang-Provinz hin und her. Von den beiden wollte keiner sich geschlagen geben, und mit aller Kraft furzten sie abwechselnd, und so flog der Steinmörser hoch am Himmel, konnte weder irgendwo ankommen noch irgendwo niedergehen, und erst nach drei Monaten und zehn Tagen soll er auf die Erde heruntergefallen sein. Bei diesem Furzwettbewerb gab es keinen Sieg und keine Niederlage, und weil er unentschieden ausging, wurden beide zu Furzgeneralen aller acht Provinzen ernannt � wie man sich erzählt

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