Young Moon Jung

Vaseline-Buddha

Roman

Vaseline-Buddha
23,00 € *

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  • Art.Nr./ISBN: 9783854209614
  • Verlag: Droschl
  • Jahr: 2015
  • Einband: gebunden
  • Seitenzahl: 280
  • Sprache: deutsch
  • Medientyp: Buch

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Aus dem Koreanischen von Jan Dirks Die deutsche Übersetzung von Vaseline-Buddha hat im... mehr
Produktinformationen "Vaseline-Buddha"

Aus dem Koreanischen von Jan Dirks

Die deutsche Übersetzung von Vaseline-Buddha hat im Oktober 2015 in Korea den Daesan-Literaturpreis gewonnen, einen der größten Literaturpreise Koreas, der jedes Jahr in den Sparten Roman, Lyrik, Drama und Übersetzung verliehen wird.

Eine tragikomische Odyssee durch das Assoziationsgestrüpp der menschlichen Psyche bis zur Bewusstseinsebene der Zen-Meditation.

Auf seinen eher unfreiwilligen Reisen in reale und bloß vorgestellte Gegenden trifft der unter Schlaflosigkeit und Schwindelanfällen leidende Erzähler auf Menschen, Tiere, Pflanzen und Objekte, denen er nach Lust und Laune mit argloser Neugier, kindlicher Verspieltheit, aberwitziger Spitzfindigkeit oder auch völligem Desinteresse begegnet. Da wird etwa ein Goldfisch namens Kierkegaard auf einem Friedhof bestattet, da wird der Erzähler in Versailles von einem wildgewordenen Schwan attackiert oder mit einem masturbierenden Affen konfrontiert, und in Paris verbringt er eine Nacht mit mehreren Ratten in seinem Hotelzimmer.

Voller Überraschungen und unerwarteter (oder doch folgerichtiger?) Wendungen, sprachlich zugleich einfach und mit äußerster Akribie geht Jung den Verästelungen seiner Gedanken und Assoziationen nach. Wir treffen hier auf einen Weltbürger, dessen »Abenteuer« in New York und Berlin, in der französischen Provinz und in Amsterdam spielen – und dessen Wurzeln doch in Ostasien liegen. Der Roman ist nicht unbedingt autobiografisch zu lesen (»da gibt es ein leichtes Ächzen zwischen der Person, die ich als Ich-Erzähler aufgestellt habe, und mir selbst«) – aber vielleicht ein höchst zeitgemäßer Versuch, sich über die Bedeutungslosigkeit der Bewusstseinsinhalte klar zu werden und den Geist meditativ – und durch eine Sturzflut von Geschichten – zu leeren …

Sehr schön bringt es der Übersetzer auf den Punkt: »The chaos will remain, but the inner eye will become clear.«

 

Textauszug

Nun, wo wir ausreichend Zeit gehabt hatten, gründlich darüber nachzudenken, wer hier wem den Weg versperrte – die Kuh schien mir nichts besonders Dringliches vorzuhaben und, wie es Kühen so eigen ist, im Begriffe zu sein, in aller Ruhe vor sich hinzubummeln –, dachte ich mir, dass wohl ich es sei, der der Kuh den Weg versperrte – tatsächlich war der Weg so schmal nun auch wieder nicht, und wenn man nur ein klein wenig Platz gemacht hätte, wäre man eigentlich auch ganz gut aneinander vorbeigekommen –, fand mich dann aber dessen ungeachtet für einen kurzen Moment in dem Konflikt wieder, ob es nun korrekt sei, dass die Kuh mit ihrem großen Körper Platz machte, oder aber ich, der ich zwar von kleinerem Körperwuchs, aber älter war als die Kuh, unter dem Aspekt aber, dass es sich bei uns beiden um ein menschliches und ein nicht-menschliches Wesen handelte, betrachtete ich die Sache nicht. Schließlich gab ich als zivilisierter Mensch nach und hielt ihr ein Stück Baguette, eines der Grundnahrungsmittel der Franzosen, das ich gerade dabeihatte, entgegen. Die Kuh beschnupperte es vorsichtig und wich dann, weniger so, als ob sie sich nicht sicher sei, ob man das denn essen könne, sondern vielmehr so, als ob sie mir nicht recht trauen könne, vor mir zurück. Also versuchte ich es nun mit einigen Aprikosen, die ich ebenfalls bei mir trug. Nachdem die Kuh die Aprikosen verspeist hatte, blinzelte sie mir ein paar Mal zu, als ob sie mir danken wolle, tat aber auch dies in aller Würde und nicht mit jenem Gesichtsausdruck, den manche Tiere, denen man etwas zu fressen gibt, zeigen, um noch mehr Futter zu erbetteln. Als ich sah, wie sich die Kuh die Aprikosen schmecken ließ, bekam ich noch bessere Laune, war der Frau, die mich versetzt hatte, und dem Umstand, von jemandem versetzt worden zu sein, nun beinahe dankbar und empfand fast so etwas wie ein Glücksgefühl. Kurz darauf ging die Kuh, die ihre Begegnung mit dem unbekannten Menschen bald würde vergessen haben, ohne weitere Umstände ihres Weges, und auch ich ging, ohne mir weitere Gedanken zu machen, meines Weges. Ich fühlte, wie meine Schritte, die mich nun von der Kuh wegführten, die, wie ich mir dachte, durch die Begegnung mit mir vielleicht ebenfalls bessere Laune bekommen hatte, nun ein ganzes Stück leichter geworden waren, und dachte mir dann ganz unabhängig davon, während ich einen Blick zurück auf die Kuh warf, dass wir doch alle nur an uns selbst vorbei zu uns selbst kommen.

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